Die Sommerexkursion 2026 des Archäologischen Vereins Luzern führte den AVL am 22. August nach Schwyz in den gleichnamigen Hauptort. Ziel war die Ital Reding-Hofstatt mit dem Ital-Reding-Haus und dem Haus Bethlehem, zwei Bauwerke von nationaler Bedeutung, die einen Einblick in die Wohn- und Baukultur vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit vermitteln. Das Ensemble gehört zu den wertvollsten historischen Baugruppen des Kantons Schwyz.

Haus Bethlehem

Das Haus Bethlehem gilt als eines der ältesten erhaltenen Holzhäuser Europas und wurde dendrochronologisch auf das Jahr 1287 datiert. Am Vormittag führte die Bauforscherin und Mittelalterarchäologin Ulrike Gollnick die Teilnehmenden durch das mittelalterliche Haus Bethlehem, das in Blockbauweise erstellt wurde. Für den Bau eines solchen Hauses wurden rund 120 Tannen geschlagen. Das zweigeschossige Gebäude besitzt einen für die Region typischen Grundriss und lässt erkennen, wie hoch entwickelt die Zimmermannskunst ums Jahr 1300 war. Im Schwyzer Talgrund sind mittlerweile rund 70 Blockbauten aus dieser Zeit bekannt, es herrschte also ein regelrechter «Bauboom».

Die dunklen Oberflächen sind übrigens nicht durch Russ entstanden, sondern die Wände wurden bewusst so gestrichen. Weshalb dieser Anstrich so verbreitet war, ist nicht vollständig geklärt. Ulrike Gollnick wies zudem auf zahlreiche Zeugnisse der Alltagsreligiosität hin. In den Holzwänden fanden sich etwa sogenannte Geisterbanndübel und kleine Verstecke mit Gegenständen, die dem Schutz der Bewohner dienen sollten.

Ital-Reding-Haus

Das Ital-Reding-Haus wurde 1609 erbaut. Bauherr Ital Reding (1573–1651) war Militärunternehmer und eine bedeutende politische Figur in Schwyz und der Alten Eidgenossenschaft. Das Herrenhaus mit seinen reich getäferten Räumen, dem Gartensaal und dem Barockgarten dokumentiert den sozialen Aufstieg einer Familie, die durch das Söldnerwesen zu Wohlstand und Einfluss gelangte. In Schwyz sind heute noch rund dreissig historische Herrenhäuser erhalten. Das Gelände der Hofstatt diente auch als Exerzierplatz. Im ehemaligen Ökonomiegebäude, wo sich eine Kaserne und Stallungen befanden, befindet sich heute die Kantonsbibliothek.

Der Nachmittag war dem Forum Schweizer Geschichte Schwyz gewidmet. Dort besuchte die Gruppe die Sonderausstellung «Tourismus. Reiseziel Schweiz», die die Entwicklung des Reisens und die Bedeutung des Tourismus beleuchtet. Im Museum befindet sich zudem die sogenannte Schwarze Stube. Der aus einem Schwyzer Blockbau von 1311 geborgene Raum vermittelt ein Bild mittelalterlicher Wohnkultur.